Nicaragua in der ALBA
Nicaragua zwischen US-Macht und Hugo Chávez | ![]() | ![]() | ![]() |
< Zurück | Weiter > |
---|
--
Find out more and visit: www.rivas-nicaragua.blogspot.com
Anderer Dienst im Ausland (ADiA) in Rivas 2006 - 2007
Nicaragua zwischen US-Macht und Hugo Chávez | ![]() | ![]() | ![]() |
< Zurück | Weiter > |
---|
Am 10. Januar übernahm Daniel Ortega nach drei verlorenen Wahlen die Präsidentschaft. Die Politik der FSLN ist nicht leicht einzuschätzen. Wie immer füllte Ortega, wo immer er hinkam, Straßen und Plätze. Doch diesmal zitierte er Johannes Paul II., wenn er den Neoliberalismus kritisierte. Dieser habe den Neoliberalismus als „grausamen Kapitalismus" kritisiert. Von Sozialismus, sprach der später von Hugo Chávez als „sozialistischer Präsident" Nicaraguas empfangene Präsident nicht. Trotzdem sieht man in vielen regionalen Parteizentralen der FSLN Portraits von Chávez, Castro und Guevara.
Im Wahlkampf sah man Daniel Ortega oft eher als Wanderprediger denn als ehemaligen Revolutionär. „So viele Kanonen, so viele infame Lügen, die sie gegen uns richten, doch aus unseren Mündern wird kein schlechtes Wort kommen, wir antworten mit Arbeit, mit Liebe und mit Wiederversöhnung", wandte sich Ortega an seine Zuhörer. Plötzlich sah man die Fahne der Partido Resistencia Nicaraguaense (Contra) oder Yatama (Miskito), also ehemalige Kriegsgegner der Sandinisten, bei Veranstaltungen der FSLN. Auch der emeritierte Kardinal Obando y Bravo, früher ein Gegner der FSLN, gilt heute als Verbündeter. Um das Bündnis mit der Kirche nicht zu gefährden, stimmte die Fraktion der FSLN für das völlige Verbot der Abtreibung. An nicht wenigen Häusern sah man deshalb das Konterfei Daniels neben Anti- Abtreibungsplakaten der katholischen Kirche mit dem Slogan „Abtreiben ist Töten" an der Wand hängen. Von Frauenorganisationen und der internationalen Gebergemeinschaft gab es scharfe Kritik an dem neuen Gesetz, das besonders ärmere Frauen betreffen wird. Die wohlhabenden werden in Miami abtreiben lassen und die Sandinisten auf Kuba.
"Dieses Gesetz, das die Menschenrechte verletzt, darf nicht wirksam werden. Es verletzt die elementaren Rechte von Frauen in Nicaragua, wenn Schwangerschaftsabbruch in jedem Fall unter Strafe gestellt wird – auch wenn das Leben der Mutter gefährdet ist oder die Frau vergewaltigt wurde", erklärte die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit Heide-Marie Wieczoreck- Zeul. Nicaragua hat nun mit Chile und El Salvador das strengste Abtreibungsgesetz Lateinamerikas. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet schwächte alledings die strengen Abtreibungsgesetze durch ein präsidiales Dekret ab, welches die Einnahme der Pille danach innerhalb von 72 Stunden erlaubt.
Daniel Ortega hat rund 38 Prozent der Stimmen erreicht, die Mehrheit der Nicaraguaner hat weiterhin ein klar negatives Bild von Daniel Ortega. „Wie kann das sein? Der Teufel kommt und es hört auf zu regnen", rief eine Anhängerin Eduardo Montealegres kurz vor der Ankunft Daniel Ortegas in der Provinzhauptstadt Rivas. Doch Daniel Ortega weiß vor allem, wie er die Armen in Nicaragua ansprechen muss. Er spricht von den Dächern aus Plastikplanen, von den Kindern, die arbeiten müssen, vom Hunger und davon, dass er dies ändern wird. Dass einige
dieser armen Menschen trotzdem die Liberalen wählen, könne man ihnen nicht vorwerfen.Sie seien Opfer der Ignoranz und fehlender Bildung, so Ortega. Tatsächlich wirkte die Angst vor der Wirtschaftsblockade durch die USA, vor der Wiedereinführung der Wehrpflicht und einem möglichen Bürgerkrieg im Wahlkampf immer noch nach.
Die Antwort viele FSLN Anhänger darauf, warum sie Daniel Ortega unterstützen, ist
einfach: „Weil Daniel für die Armen ist." Durch Daniel hoffen sie auf eine bessere Gesundheitsversorgung und auf Schulbildung für ihre Kinder.
Seit dem Wahlsieg Daniel Ortegas ist nichts Gravierendes passiert. Der neue Präsident möchte mit den internationalen Organisationen zusammenarbeiten und auch die Beziehungen zu den USA scheinen sich zu normalisieren. Ortega betont die Sicherheit für Investoren und die Achtung des Privateigentums. Mit venezolanischer Hilfe werden bereits Stromkraftwerke installiert, die dabei helfen sollen die täglichen, meist mehrstündigen Stromausfälle zu beenden. Ob das Versprechen die Gehälter,
der hohen öffentlichen Funktionäre, die zwischen 7000 und 15 000 US-Dollar monatlich verdienen, zu senken, erfüllt wird, muss abgewartet werden.
Bedrückende Armut und KinderarbeitTimm Schützhofer absolviert seit Juli seinen Zivildienst in Nicaragua: Offenbacher plant Brunnen und den GemüseanbauOffenbach (siw) -Was tun, wenn das Wasser nicht einfach aus dem Hahn fließt? Wie geht es weiter, wenn wieder einmal der Strom ausfällt? Vieles, das hierzulande selbstverständlich ist und verlässlich funktioniert, ist in anderen Teilen der Welt oft ganz anders.Das erlebt der junge Offenbacher Timm Schützhofer gerade in Nicaragua. Im Frühsommer hatte er sein Abitur in der Tasche, seit 5. Juli lebt der ehemalige Rudolf-Koch-Schüler in Nicaragua bei einem Lehrerehepaar. Man wohnt in der "Kolonie der Lehrersolidarität", die in den 80ern mit Schweizer Hilfe gebaut wurde. Der junge Mann ist Mitglied des Offenbacher Partnerschaftsvereins Para Nicaragua (Panic), der sich seit Jahren in Rivas engagiert, und absolviert derzeit den so genannten Anderen Dienst im Ausland (ADiA). Jetzt beschäftigt er sich mit Fragen der Wasserversorgung, plant neue Brunnen und organisiert den Gemüseanbau in La Chocolata, einem Vorort von Offenbachs Partnerstadt. Timm Schützhofer ist familiär vorbelastet: Vater Rolf war 1985 Mitbegründer von Panic und lange als Kassenwart tätig. Timm Schützhofers Bruder Nico war von 2001 bis 2002 ebenfalls in Nicaragua und engagierte sich für die Städtefreundschaft Frankfurt-Granada in Granada. Der Offenbacher selbst hat sich aus verschiedenen Gründen dafür entschieden, seinen Zivildienst in Nicaragua zu machen. Mit der Geschichte, der Kultur und der politischen und sozialen Situation des mittelamerikanischen Landes hat er sich schon länger beschäftigt. Er konnte sich sicher sein, dass er in Rivas auf viele verschiedene Betätigungsfelder stoßen würde. Schließlich ist Nicaragua eines der ärmsten Länder der Welt und es gibt einen riesigen Bedarf an Hilfe. Begeistert ist Schützhofer nach wie vor von der wunderbaren Landschaft, mit Bergen im Norden, schönen fast unberührten Stränden an der Pazifikküste und dem Nicaraguasee mit der Insel Ometepe. Die Menschen seien meist sehr freundlich und herzlich, schnell komme man ins Gespräch, berichtet er: "Bedrückend ist für mich immer noch die oft extreme Armut und die Kinderarbeit, die man vor allem auf den Märkten und in den Bussen sieht. Hier werden Erfrischungsgetränke und kleine Snacks oft schon von unter Zehnjährigen verkauft." Schwierig findet es der Zivildienstleistende, dass die meisten Nicaraguaner notorisch zu spät kommen, dass Verabredungen oft nicht eingehalten werden: "Noch dazu fällt ständig der Strom aus, wodurch vieles einfach deutlich länger dauert als in Deutschland. Wenn der Strom ausfällt, fällt auch meistens bald das Wasser aus. Wenn es Wasser gibt, wird es in Eimern gesammelt." Das billigste Essen in Nicaragua sind Reis und Bohnen. "Gallo pinto" wird in vielen Familien fast ausschließlich gegessen - morgens, mittags, abends - und auch für diese drei Mahlzeiten reicht es nicht jeden Tag. In Nicaragua sind rund 1,5 Millionen Menschen unterernährt. Dies entspricht 27 Prozent der Bevölkerung. Als Gerhard Ullrich von Para Nicaragua im Frühjahr 2006 nach Nicaragua aufbrach, hatte er sich zum Ziel gesetzt, mit Familien in der ländlichen Gemeinde La Chocolata Gemüsegärten anzulegen. Die Menschen reagierten zunächst skeptisch auf das Projekt. Doch nach wenigen Monaten waren die ersten Ergebnisse zu sehen: Gurken, Tomaten, Chili, Paprika und andere Gemüsesorten konnten geerntet werden. Jetzt wuchs auch das Interesse der Menschen. Heute besitzen 22 Familien einen Gemüsegarten. Als nächstes sollen Brunnen gebaut werden, um die Wasserversorgung zu verbessern. Um die nächsten Schritte einleiten zu können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Das Geld kommt fast ausschließlich den Begünstigten in Nicaragua zu Gute, mit denen man direkt zusammenarbeitet. Die Verwaltungskosten betragen weniger als drei Prozent des Jahresetats: Para Nicaragua, Konto 84875, Sparkasse Offenbach, BLZ 50550020 |